Nur ein Glas Wasser
Ich will einen Schluck trinken. 
Etwas Wasser. 
Nur eine kleine Menge. 
Wenig und jetzt. 
Mineral mit Gas. 
Wenn es richtig die Kehle abzischt. Schön kühl.
Ich frage den Gastgeber. 
Der erwidert, ob es nicht lieber Bier oder Wein, 
Kaffee, Tee, Milch oder Kakao sein soll. 
Ich wiederhole meine Wunsch nach Mineralwasser. 
Nur Wasser. Auf den Tisch damit. 
Sachte und bedächtig beginnen wir die Vorbereitung.
Der Tisch, dessen Platte mit strukturiertem Plastikholz 
bestückt ist, wird mit einem Schonfilz bespannt. 
Diesem wird die schöne Tischdecke aufgelegt. 
Damit  alles geschützt ist, legen wir einen durchsichtigen Plastikschoner über.
Erneute Nachfrage: 
Wirklich nur Mineralwasser? 
Aufblickende Bestätigung.
Gut, nun welche Gläser? 
Was für ein Tag ist heute? 
Ein Wochentag. Dann wohl die Einfachen. 
Obwohl - seltener Besuch. 
Lieber die Besseren. Die Blauen? 
Aus der Tschechei, mit Bleikristall. 
Oder die roten Italienischen? 
Wir nehmen die alten der Oma. 
Gedenken wir Ihrer.
Ob sich der Trinkwunsch geändert habe? 
Nein. 
Wie das Wasser sein solle? 
Zimmertemperatur, aus dem Kühlschrank, mit Eiswürfeln? 
Ich nehme das aus dem Kühlschrank. 
Das sei schlecht für den Magen. 
Das kalte Zeugs, direkt hinein. 
Junge du ruinierst Deine Gesundheit.
Zum Schutz des Tischdeckenschoner wird ein gewöhnlicher Untersetzer unter die Flasche gelegt. 
Für das Glas nehmen wir die besseren Hölzernen, 
die mit einem weiteren Plastik bestückt werden, 
um Wasserflecken zu vermeiden.
Jetzt kann eingeschenkt werden. 
Zu vergessen ist jedoch nicht das Abwischen 
der Flasche mit einem Papiertuch, 
damit nirgends Wasser verspritzt.
Mir wird Prost gewünscht.

© Udo Schulz